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Umgang mit dem Trauma
Primäre Lebensorganisation
Modell des psychischen Apparates
Der Taugenichts von Eichendorff
Das Mþrchen von der Unke
Giftmischerin Adelbert von Chamisso
Mona Lisa Interpretation
Mona Lisa Anschauung
Publikationen Hans Holderegger
Das GlYck des verlorenen Kindes
Rezensionen Hans Holderegger
Inhaltsverzeichnis Buch 'Das GlYck des verlorenen Kindes'
'Der Umgang mit dem Trauma' Hans Holderegger
Rezensionen 'Der Umgang mit dem Trauma'
Inhalts-Verzeichnis 'Der Umgang mit dem Trauma'
Fachartikel Dr. Hans Holderegger
Dr. Hans Holderegger

Es gibt in der Literatur Figuren, die im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten den Status der Unsterblichkeit erlangt haben und in der Vorstellung der Leser als Repräsentanten für Urmotive oder Grundkonflikte des menschlichen Lebens stehen. In der Erinnerung an literarische Werke erwachen in uns spontane Vorstellungen davon, wie sich bestimmte unverwechselbare Charaktere mit sich und ihrer Umwelt, d.h. mit dem Leben, auseinandersetzen. Und die Faszination dieser Geschichten hat natürlich auch damit zu tun, daß wir uns in den Protagonisten ein Stück weit selbst erleben, mit all unserer Leiden-
schaftlichkeit, mit unseren Wünschen und Konflikten, oft aber auch schaudern müssen über die Abgründe, die sich durch den extremen Verlauf der entsprechenden Schicksale auftun.


Es scheint mir wichtig, sich dieser Bedeutung der Literatur und im weiteren Sinne jeder Art von Kunst bewußt zu werden, da wir - was die Welt der inneren Objekte betrifft - oft nur von Bildern sprechen, die sich auf die eigene Erfahrung mit der Realität beziehen. Die Begegnung mit der Kunst schafft ebenfalls innere Bilder, Vorstellungen, Phantasien, Gefühle und Erkenntnisse, und wir sollten deren Wirkung nicht unterschätzen. Sie hat ihren Anteil an der ständigen Neugestaltung der inneren Welt, einer Veränderung, die sich u.a. auch dadurch ergibt, daß wir Repräsentanzen der realen Erfahrung mit solchen aus dem Bereich der Fiktion vermischen. Die kathartische Wirkung der Literatur ist ein oft diskutiertes Beispiel einer solchen inneren Veränderung; es gibt aber, wie wir noch sehen werden, auch noch andere Möglichkeiten der Beeinflußung durch die Welt der Fiktion.

Eichendorff gelingt es mit der Darstellung seiner Taugenichtsfigur, deren märchenhaft wirkendes Wanderleben er auf dem Hintergrund einer biedermeierlichen Welt gestaltet, den Leser in eine innere Welt zu versetzen, die sich einer direkten Beschreibung entzieht, weil sie sich außerhalb des Erinner- und Vorstellbaren befindet. Ich beginne meine Ausführungen über die primäre Lebensorganisation mit der Interpretation des "Taugenichts", weil dieser Text in ganz spezieller Weise Zugang zur frühen Erfahrungswelt vermittelt - zu jener Welt, in der es noch keine sekundären psychischen Strukturen gibt. Es ist ein spontaner Zugang zu einer frühen, unreflektierten Form der Existenz, die das Lebensgefühl des Taugenichts weitgehend prägt und ihn deshalb als "Gotteskind" erscheinen läßt, und es sind die Mitteilungen aus diesem verschütteten Bereich der Selbsterfahrung, die in den Lesern über Generationen hinweg eine offensichtlich euphorisierende Wirkung ausgelöst haben.