Umgang mit dem Trauma
Primäre Lebensorganisation
Modell des psychischen Apparates
Analyse literarischer Werke
Der Taugenichts von Eichendorff
Das Mþrchen von der Unke
Giftmischerin Adelbert von Chamisso
Mona Lisa Interpretation
Mona Lisa Anschauung
Publikationen Hans Holderegger
Das GlYck des verlorenen Kindes
Rezensionen Hans Holderegger
Inhaltsverzeichnis Buch 'Das GlYck des verlorenen Kindes'
'Der Umgang mit dem Trauma' Hans Holderegger
Rezensionen 'Der Umgang mit dem Trauma'
Inhalts-Verzeichnis 'Der Umgang mit dem Trauma'
Fachartikel Dr. Hans Holderegger
Dr. Hans Holderegger
ein neues modell zum Aufbau des seelenlebens

Es erscheint mir nach der Darlegung verschiedenster Möglichkeiten, die seelische Struktur zu beschreiben, nun angebracht, im Sinne einer Art von Zusammenfassung die unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven in einem mehr oder weniger einheitlichen, wenn auch noch sehr provisorischen und unvollständigen Modell des psychischen Apparates zusammenzuführen.


Ich habe schon in einem früheren Kapitel auf die grundlegende Verschiedenheit zwischen der naturwissenschaftlichen und der tiefenpsychologischen Betrachtungs-
perspektive hingewiesen (Abschnitt A, 3): Beide Forschungsansätze beziehen sich in unserem Fall wohl auf die gleiche Thematik, das menschliche Seelenleben, sie bewegen sich aber in sehr unterschiedlichen Wahrnehmungsbereichen. Wolf Singer, den ich in diesem Zusammenhang schon zitiert habe, bringt dieses Phänomen auf den Punkt, wenn er bemerkt, daß es zwei voneinander getrennte Erfahrungsbereiche gebe, in denen Wirklichkeiten dieser Welt zur Abbildung kämen, den naturwissenschaftlichen Bereich, der aus der Dritte-Person-Perspektive erschlossen werde, und den soziokulturellen, der nur in der Erste-Person-Perspektive erfahrbar und darstellbar sei. Aus einem phylogenetischen Entwicklungsprozeß, der sich mit naturwissenschaftlichen Termen beschreiben lasse, so meint er weiter, seien Phänomene hervorgegangen, die in diesem Beschreibungs-
system nicht mehr vorkämen und nur durch subjektives Erleben erfaßt werden könnten (2001).Die folgende Darstellung entspricht einer Mischung von Aussagen aus beiden Beschreibungssystemen und enthält deshalb entsprechende Sprünge und Brüche mit den damit verbundenen Erkenntnislücken. Der Übersichtlichkeit wegen versuche ich meine Vorstellungen in einzelne Punkte aufzugliedern, es werden zudem auch Themen und Gedanken integriert, die bisher noch nicht zur Sprache gekommen sind:

Entgegen bisheriger Vorstellungen (Abschnitt A, 4b) gehen wir davon aus, daß der Mensch über eine angeborene psychische Grundstruktur verfügt, einen psychischen Apparat, der sich während der fötalen Existenz anlegt und von der Geburt bis zum Tod eine weitere Reifung und Modifizierung erfährt, sich also in dem Maße verändert, als der Mensch mit neuen Lebensaufgaben konfrontiert wird, z.B. der Bindung, der Individuation, der psychosexuellen Entwicklung, der Loslösung von den primären Objekten, der Integration ins soziale Leben, der Paarbildung und Fortpflanzung, der Geburt eigener Kinder, der Kinderaufzucht etc., also den großen Themen des Lebens. Diese Basisstruktur haben wir als "primäre Lebensorganisation" beschrieben. Sie ist präsymbolisch organisiert und besteht aus verschiedenen Affektsystemen, die den einzelnen Elementen einer zugrundeliegenden Motivationsstruktur zugeordnet sind. Das emotionale Grundpotential wird in neuronalen Vorgängen generiert und ist in seiner Anlage zunächst unabhängig von äußeren Einflüssen. Die angeborenen Verhaltensmuster, die sich im evolutionären Anpassungsprozeß herausgebildet haben, werden im Verlauf der individuellen Entwicklung modifiziert und so auf ein ganz spezifisches Umfeld ausgerichtet. Diese Prozeße stehen in einem engen Zusammenhang mit der Entwicklung einer neuen seelischen Dimension, der Entstehung eines geistigen Lebens und der Konstituierung einer Person, der sog. Ich-Entwicklung, die im Sinne von Rückkoppelungsvorgängen immer wieder auch auf die Beschaffenheit der Basisstruktur zurückwirkt. Die Ich-Entwicklung basiert auf der Fähigkeit des Gehirns, innere Zustände, die durch die vorprogrammierten Reaktionen hervorgerufen werden, auf ständig höheren Entwicklungsstufen zu repräsentieren.
(Das Modell besteht aus 23 Punkten...)