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Es erscheint mir nach der Darlegung verschiedenster Möglichkeiten,
die seelische Struktur zu beschreiben, nun angebracht,
im Sinne einer Art von Zusammenfassung die unterschiedlichen
Betrachtungsperspektiven in einem mehr oder weniger einheitlichen,
wenn auch noch sehr provisorischen und unvollständigen
Modell des psychischen Apparates zusammenzuführen.
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Ich habe schon in einem früheren Kapitel auf die grundlegende
Verschiedenheit zwischen der naturwissenschaftlichen und
der tiefenpsychologischen Betrachtungs-
perspektive hingewiesen (Abschnitt A, 3): Beide Forschungsansätze
beziehen sich in unserem Fall wohl auf die gleiche Thematik,
das menschliche Seelenleben, sie bewegen sich aber in
sehr unterschiedlichen Wahrnehmungsbereichen. Wolf Singer,
den ich in diesem Zusammenhang schon zitiert habe, bringt
dieses Phänomen auf den Punkt, wenn er bemerkt, daß es
zwei voneinander getrennte Erfahrungsbereiche gebe, in
denen Wirklichkeiten dieser Welt zur Abbildung kämen,
den naturwissenschaftlichen Bereich, der aus der Dritte-Person-Perspektive
erschlossen werde, und den soziokulturellen, der nur in
der Erste-Person-Perspektive erfahrbar und darstellbar
sei. Aus einem phylogenetischen Entwicklungsprozeß, der
sich mit naturwissenschaftlichen Termen beschreiben lasse,
so meint er weiter, seien Phänomene hervorgegangen, die
in diesem Beschreibungs-
system nicht mehr vorkämen und nur durch subjektives Erleben
erfaßt werden könnten (2001).Die folgende Darstellung
entspricht einer Mischung von Aussagen aus beiden Beschreibungssystemen
und enthält deshalb entsprechende Sprünge und Brüche mit
den damit verbundenen Erkenntnislücken. Der Übersichtlichkeit
wegen versuche ich meine Vorstellungen in einzelne Punkte
aufzugliedern, es werden zudem auch Themen und Gedanken
integriert, die bisher noch nicht zur Sprache gekommen
sind:
Entgegen bisheriger Vorstellungen (Abschnitt A, 4b) gehen
wir davon aus, daß der Mensch über eine angeborene
psychische Grundstruktur verfügt, einen psychischen
Apparat, der sich während der fötalen Existenz anlegt
und von der Geburt bis zum Tod eine weitere Reifung und
Modifizierung erfährt, sich also in dem Maße verändert,
als der Mensch mit neuen Lebensaufgaben konfrontiert wird,
z.B. der Bindung, der Individuation, der psychosexuellen
Entwicklung, der Loslösung von den primären Objekten,
der Integration ins soziale Leben, der Paarbildung und
Fortpflanzung, der Geburt eigener Kinder, der Kinderaufzucht
etc., also den großen Themen des Lebens. Diese Basisstruktur
haben wir als "primäre Lebensorganisation" beschrieben.
Sie ist präsymbolisch organisiert und besteht aus verschiedenen
Affektsystemen, die den einzelnen Elementen einer zugrundeliegenden
Motivationsstruktur zugeordnet sind. Das emotionale Grundpotential
wird in neuronalen Vorgängen generiert und ist in seiner
Anlage zunächst unabhängig von äußeren Einflüssen. Die
angeborenen Verhaltensmuster, die sich im evolutionären
Anpassungsprozeß herausgebildet haben, werden im Verlauf
der individuellen Entwicklung modifiziert und so auf ein
ganz spezifisches Umfeld ausgerichtet. Diese Prozeße stehen
in einem engen Zusammenhang mit der Entwicklung einer
neuen seelischen Dimension, der Entstehung eines geistigen
Lebens und der Konstituierung einer Person, der sog. Ich-Entwicklung,
die im Sinne von Rückkoppelungsvorgängen immer wieder
auch auf die Beschaffenheit der Basisstruktur zurückwirkt.
Die Ich-Entwicklung basiert auf der Fähigkeit des Gehirns,
innere Zustände, die durch die vorprogrammierten Reaktionen
hervorgerufen werden, auf ständig höheren Entwicklungsstufen
zu repräsentieren.
(Das Modell besteht aus 23 Punkten...)
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