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Unser Verständnis von der menschlichen Seele erfährt heute
in der Psychoanalyse nochmals eine grundlegende Veränderung. Die Theorie von
der primären Lebensorganisation geht davon aus, dass die
Grundstruktur des Seelenlebens angeboren und mit derjenigen
höher organisierter Tiere verwandt ist. Alle im Leben
erworbenen Strukturen der Persönlichkeit beziehen sich
auf diese "alte", im Laufe der Phylogenese entstandene
Seele und haben ihre Wurzeln in einer primären Affektorganisation
und in einem affektiven Selbst.
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Holderegger entwirft ein modifiziertes Menschenbild
und unternimmt dabei den Versuch, das Bild vom Aufbau
des seelischen Lebens neu zu zeichnen. Es wird
klar, wie fliessend und veränderbar, wie flüchtig und
zerbrechlich unsere Vorstellungen von der eigenen Person
und der Ich-Identität sind und mit welch seelischem
Aufwand die Aufrechterhaltung und das Überleben der Persönlichkeit
verbunden ist.
Aus seiner Analyse literarischer Werke (z.B. Eichendorffs
Erzählung "Der Taugenichts") und einer
Neuinterpretation von Leonardos "Mona Lisa" geht
hervor, wie gross die Faszination des Ursprungs für uns
Menschen ist und dass unser ästhetisches Empfinden
vom unaussprechlichen Wissen um unsere archaische Vergangenheit
zeugt. Der Autor berücksichtigt beim Entwurf seines Modells
vom "psychischen Apparat" die neueren Ergebnis
aus der Ethologie, der Psychoanalyse und
der Hirnforschung ebenso wie seine Erfahrungen
aus eigener klinischer Arbeit und Jan Philipp Reemtsmas
Bericht über seine Gefangenschaft "Im Keller".
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